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Katharina von Bora (29. Januar 1499 - 20. Dezember 1552)
Katharina von Bora, die Lutherin, verliert in jungen Jahren ihre Mutter, und als ihr Vater zum zweiten Mal heiratet, bringt er seine Tochter ins Kloster Brehna. Jedoch ist ihre Mitgift sehr gering, da ihr Vater ein verarmter Adliger war. Im Jahr 1508 wechselt sie in das Zisterzienserinnen-Kloster Marienthron in Nimbschen in der Nähe von Leipzig. Eine Verwandte ihrer Mutter ist dort Äbtissin, sie nimmt Katharina aus Gnade und Barmherzigkeit und ihrer Mutter wegen auf. So kommt sie in ein reiches Kloster mit ausgedehnten Ländereien.
Die Menschen aus der Umgebung wallfahrten ausgiebig zum Kloster, denn an Feiertagen und am eigenen Kirchweihfest kann man dort für seine Sünden Ablass erkaufen. Das gibt reichen Gewinn für das Kloster. Außerdem gehören die Dörfer und Güter rings um das Kloster den Nonnen. Die zinspflichtigen Bauern müssen einen großen Teil ihrer Erträge an das Kloster abgeben.
Im Kloster ist alles hierarchisch bestens organisiert. Auch die Ausbildung der meist adligen Novizinnen ist streng und für Frauen in damaliger Zeit umfassend. Katharina lernt Lesen und Schreiben, nur etwa 10 % der Bevölkerung können das, zudem steht auch Latein auf dem Stundenplan. Als Katharina 16 Jahre alt ist, legt sie das Gelübde als Nonne ab.
Ein Onkel von zwei Nonnen, die später mit Katharina fliehen, schmuggelt die Schriften von Martin Luther ins Kloster, so dass ein Kreis junger Nonnen gut über die Vorgänge und die Ideen Luthers informiert ist. Es reift bei den jungen Frauen, die alle unfreiwillig durch ihre Familien ins Kloster geschickt worden sind, der Entschluss, das Kloster zu verlassen. Sie schreiben Bittbriefe nach Hause, die aber nicht erhört werden. Sie wenden sich daher direkt an Luther in Wittenberg mit der Bitte, ihnen bei der Flucht aus dem Kloster behilflich zu sein.
Der Ratsherr und Kaufmann Leonhard Koppe aus Torgau wird mit zwei Neffen zum Helfer von 9 Nonnen - in anderen Unterlagen wird die Zahl 12 genannt. In der Nacht vom 4. zum 5. April 1523, der Osternacht, holt er die Frauen mit einem Planwagen nach Torgau, am Dienstag nach Ostern geht die Fahrt weiter nach Wittenberg ins Haus des Malers Lucas Cranach.
Luther hat inzwischen an den mit ihm befreundeten Hofkaplan des Kurfürsten von Sachsen geschrieben und ihn um Geld und Kleidung für die geflüchteten Nonnen gebeten, die ja nur ihre Chorkleidung hatten. Freunde und Verwandte der jungen Frauen treten des weiteren unterstützend ein. Für einige finden sich bald geeignete Ehemänner, eine erhält Arbeit als Lehrerin, Katharinas Freundin Ave von Schönfeld heiratet einen Medizinstudenten.
Katharinas Vater ist verstorben und ihre Stiefmutter lebt in großer Armut mit ihren Söhnen, den Halbbrüdern Hans, Klemens und Florian. Von ihnen ist keine Hilfe zu erwarten. So hilft Katharina bei der Familie von Lucas Cranach im Haushalt und lernt eine Hauswirtschaft zu führen.
In dieser Zeit begegnet sie dem Nürnberger Kaufmannssohn Hyronimus Baumgärtner, der in Wittenberg studiert hatte und nun bei seinem Freund Philipp Melanchthon zu Gast ist. Die Sympathie ist gegenseitig. Als Hyronimus nach Nürnberg zurückfährt, verspricht er, Katharina nachzuholen, seine Familie stellt sich aber gegen diese Verbindung. Luther mahnt das Versprechen des jungen Mannes an, aber da kommt die Nachricht, dass sich der 25 jährige Kaufmann auf Anordnung seiner Eltern mit einer Vierzehnjährigen verlobt hat.
Katharina ist maßlos enttäuscht und wird darüber krank. Man redet ihr zu, einen Dr. Glatz zu heiraten, der früher Rektor der Universität in Wittenberg war und jetzt Pfarrer in Orlamünde ist. Dieser gefällt Katharina aber absolut nicht. Obwohl sie in damaliger Zeit keine großen Chancen mehr in ihrem Alter von 24 Jahren hat, bittet sie Dr. Amsdorf um Hilfe und lässt durch ihn Luther mitteilen, dass sie entweder Dr. Amsdorf oder Dr. Martinus heiraten wolle. Luther ist erst sehr entrüstet über dieses Fräulein von Bora. Er ist generell dagegen zu heiraten: Ihm scheint sein Leben als Ketzer zu unsicher, um eine Familie zu gründen. Seine Schriften sprechen sehr entschieden für die Ehe, aber für sich lehnt er diese ab. Amsdorf weiß dann aber zu berichten, dass der Professor Luther sehr nachdenklich geworden sei, und als dieser erfährt, dass der Erzbischof eine Heirat erwägt, entschließt er sich 1525 ebenfalls, Katharina zu seiner Frau zu nehmen.
Als dieser Entschluss gefasst ist, holt er sich - inzwischen 42 Jahre alt - die Genehmigung zur Heirat von seinen Eltern, die mit seinem Entschluss Mönch zu werden ohnehin nicht glücklich waren und nun freudig zustimmen. Mit seinen Freunden diskutiert er nicht darüber, denn er erwartet massive Gegenwehr hinsichtlich der entlaufenen Nonne, da solle er doch lieber nach einer anderen Ausschau halten. Philipp Melanchthon ist äußerst erbost über die Pläne seines Freundes. Er schreibt Luther einen bitterbösen Brief und wirft ihm vor, dass er in dieser unseligen Zeit (die Bauernkriege waren ausgebrochen), in der die Guten so viel zu leiden haben, nicht mitleide, sondern vielmehr, wie es scheint, schwelge und seinen guten Ruf kompromittiere, wo Deutschland seines Geistes und seiner Autorität ganz besonders bedürfe.
Aber Katharina wird, wie er später sagt, für Luther zum Morgenstern von Wittenberg.
Die öffentliche Verlobung - in damaliger Zeit auch der Zeitpunkt der Eheschließung - fand am 13. Juni 1525 statt, die feierliche nachfolgende öffentliche Zeremonie war für den 27. Juni angesetzt. Seinen Freund Spalatin lädt Luther mit den Worten ein: "Du musst dabei sein. Ich hoffe, dass über dieser Heirat die Engel lachen und alle Teufel weinen werden."
Luther bewohnt das Augustiner-Eremiten-Kloster, genannt das Schwarze Kloster, in der Süd-Ost-Ecke Wittenbergs über dem Elbanger. Ungefähr 40 Mönche haben zeitweise hier gelebt. Jetzt wohnen hier noch der Prior Eberhard Brisger und Wolfgang Sieberger. Luther hat jedem Mönch, der aus dem Kloster ausschied, eine Mitgift von 100 Gulden ausgezahlt. Katharina ist erschrocken darüber, als sie sieht, in welchen miserablen Verhältnissen der Mann lebt, von dem überall die Rede ist als dem Reformator, mit dem der Papst, Kaiser, Könige, Fürsten und Kurfürsten sich beschäftigen. Mobiliar ist so gut wie gar nicht vorhanden. Sein Bett ist ein Strohsack, von dem er sagt, dass er schon 1 Jahr nicht mehr aufgeschüttelt wurde.
Das Schwarze Kloster war zum Anfang der Ehe gepachtet, es wurde später dem Ehepaar vom Kurfürsten von Sachsen geschenkt. Auf Katharina wartete eine Menge Arbeit, um aus diesem Haus eine Wohnung zu machen. Sie nahm Umbauten am Haus vor, installierte ein Badezimmer und richtete eine Brauerei ein. Sie zog Obst und Gemüse im eigenen Garten, hielt Vieh. Katharina erwarb gegen den Protest ihres Mannes einen weiteren Garten, durch den ein Bach floss, aus dem sie Fische angelte, dieses wiederum sehr zur Freude ihres Mannes. Sie setzte es durch, dass die bisher kostenlos im Haus wohnenden Studenten einen Teil ihres Unterhaltes bezahlen mussten.
In den folgenden Jahren erwarb "Käthe" zusätzliche Gärten und Äcker als Grundbesitz, um die zahlreichen Menschen, die zu Gast oder fest in ihrem Haushalt lebten, kostengünstig ernähren zu können. Zudem wollte sie ihre Kinder auch ohne ihren Mann versorgen können und ihnen ein Erbteil ermöglichen. "Die Lutherin" führte das Haus der Luthers mit strenger Hand, denn schließlich war sie für die Versorgung der Familie zuständig. Luther trug sein Professorengehalt bei und lehnte jeglichen finanziellen Anteil an seinen Schriften ab.
Aus ganz Europa kamen Gäste in Luthers Haus. Sie waren Verfolgte auf Grund des neuen Glaubens oder wollten an Luthers berühmt gewordener Tischrunde teilnehmen. Andere erwarben in Wittenberg das Rüstzeug, damit sie selbst zu Theologen der Reformation in ihren Heimatländern werden konnten. An den regen theologischen Debatten beteiligte "Herr Käthe" sich ausgiebig. Oftmals kam ihr die Rolle der Vermittlung zwischen den Streitpositionen zu, um die sie gern gebeten wurde. Belesen war Katharina allzumal. Die gesamte, von Luther übersetzte Bibel hatte sie gelesen, in den Psalmen kannte sie sich bestens aus.
Die Zusammenhänge über die Zeit ihrer Ehe kann man im Eigentlichen nur aus Briefen, die Martin Luther schrieb, oder aus Aufzeichnungen über die Tischreden entnehmen, welche die stets anwesenden Studenten aufgezeichnet haben. Von Katharina selbst sind keine Briefe oder Berichte bekannt.
Das Familienleben der Luthers ist geprägt von Harmonie und großer Kinderliebe. Um so mehr
verlangen sie von ihren Kindern Gehorsam und Respekt. Der Tod ihrer beiden Kinder Magdalena und Elisabeth lässt das Ehepaar Luther in gewaltige Traurigkeit verfallen. Ansonsten wissen wir, dass im Hause der beiden gern mit den Kindern musiziert und deren Ausbildung entsprechend ernst betrieben wurde. Zu ihren Kindern nahmen die Luthers noch die sechs Kindern von Luthers Schwester auf, nachdem diese verwaist waren.
Auch lebte im Haushalt Katharinas Schwester, Magdalene von Bora - von den Kindern liebevoll Muhme Lene genannt. Käthe hatte sie aus dem Kloster geholt, in dem Lena die Leiterin des Hospitals war. Sie hatte ein umfangreiches Wissen über Heilkräuter, Salben und Tinkturen und war mit Käthe im Kampf gegen die Pest und andere Krankheiten der heilende Geist von Wittenberg. Käthe selbst hatte sich dezidierte Kenntnisse der Heilkunde angeeignet, mit deren Hilfe sie ihren Mann, dessen Nierensteine und andere Krankheiten therapierte.
Die schweren Jahre für Katharina begannen nach Luthers Tod im Jahr 1546. Käthe versuchte das Haus Luthers weiterzuführen und wurde dabei durch den Kurfürsten unterstützt, der sie als geschäftstüchtig anerkannte, was damals eigentlich rechtlich unmöglich war. Katharina blieb im Lutherhaus wohnen und war bemüht mit ihren engen Kontakten zur Universität die Reformation voranzutreiben. Dieses passte dem Kanzler der Universität gar nicht und er bemühte sich, die Lutherin mit Schmähungen und Verleumdungen in Misskredit zu bringen. Selbst Luthers Freunde Melanchthon und Crucinger weigerten sich aus Angst vor einem Disput mit Käthe, die Vormundschaft über die Kinder zu übernehmen.
Die folgenden Jahre waren Zeiten der Auseinandersetzung. Zunächst trat Katharina von Bora mit ihren Kindern die Flucht vor dem "Schmalkadischen Krieg" in Richtung Dänemark an, kehrte aber alsbald zurück, nachdem sich die politische Lage beruhigt hatte. Im Jahr 1552 floh sie erneut. Mit ihrer Tochter Magarethe versuchte sie, der dritten Pestepedemie auszuweichen und reiste nach Torgau. Der Wagen verunglückte auf der morastigen Strasse und Katharina starb in Torgau am 20. Dezember 1552 an den Folgen ihrer schweren Verletzungen.
Zeit ihres Lebens war Katharina von Bora eine umstrittene Persönlichkeit. Sie galt als äußerst selbstbewusst und stolz. Wann immer sie die Gründe ihrer Klosterflucht darlegte, betonte sie ihre Abneigung gegen das Papsttum, den Reliquienkult und den Ablasshandel in aller Öffentlichkeit mit Schärfe. Das zeichnete sie als theologisch denkende Frau aus, der die vollste Unterstützung ihres Mannes galt. Luther selbst sprach nur in sehr respektvoller Weise von ihr, was sich in der Anrede "Herr Käthe" ausdrückt. In der Haushaltführung, die einer großen
Wirtschafterei gleichkam, ließ er ihr absolut freie Hand. Katharina leitete die Geschäfte und betrieb die Ländereien.
Sie gilt als die Begründerin des protestantischen Pfarrhauses.
Pfr. Dirk Purz
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